Ein ausgesprochen schönes Thema diese Woche, zu dem ich sehr viel mehr schreiben könnte ;) Die Frage lautet wörtlich übrigens “Schreibt ihr noch analog – oder tippt ihr nur noch?”, falls ihr das wissen wollt.
Eine schleichende Veränderung nennt Martin das, was seit den 90ern immer weiter vorschreitet: Die Digitalisierung unseres Lebens. Im Rahmen des dieswöchigen Themas soll das auf das Schreiben bezogen werden, besonders auf das im Blog.
Tatsächlich ist es bei mir als “Digital Native” so, dass ich meine Blogartikel zu 90% direkt in WordPress bzw. in Blogsy schreibe, mir also auch da erst die Giederung überlege. Das mag damit zusammenhängen, dass ich mir das vorher schon überlege (nur halt nicht aufschreibe) oder dass ich kaum lange Artikel schreibe, zumindest letzteres will ich aber definitiv ändern. Bei längeren Artikeln ist es nämlich so, dass ich mir tatsächlich Notizen mache, was bei meinen Keynote-Reviews zu mehreren vollen Handschriftlichen A4-Seiten führt, bei der letzten waren es beispielsweise sechs.
Echtes Papier nutze ich aber auch noch, zum einen, weil man als Schüler kaum eine andere Möglichkeit hat (sicher, Hausaufgaben tippe ich auch nur noch, aber in der Schule geht das meist nicht), andererseits, weil es halt doch schneller geht als iPad aufklappen, aktuelle App schließen und Notiz-App, Evernote, Pages oder so zu finden, zu öffnen und was zu schreiben – einen Zettel greifen und mit einem der überall herumliegenden Stifte was draufkritzeln braucht nur einen Bruchteil der Zeit. Das führt allerdings ein Problem mit sich, das es beim digitalen Schreiben so nicht gibt: Es hat keine Volltextsuche und Notizzettel auf meinem Schreibtisch wiederfinden gleicht einem Glücksspiel. Bei längeren Artikeln finde ich das handschriftliche vorstrukturieren aber wie erwähnt durchaus hilfreich.Und zumindest eine grobe Gliederung mache ich bei “kleineren” Artikeln, die eine längere Vorlaufzeit haben als der Webmasterfriday auch, meist auf Papier.
Und noch einen großen Vorteil hat das handschriftliche Notieren: Mal eben was aus dem Browser abschreiben ist auf jeden Fall schneller als die Programme zu wechseln, auch das Wechseln zum Google Docs-Tab dauert für einzelne Stichworte doch recht lange, was beispielsweise dazu führt, dass meine Notizen, mit wem man auf dem Minecraft-Server meiner Wahl die besten Geschäfte machen kann, also wer was kauft oder am wenigsten verlangt, auf ungefähr 20 Zetteln in meinem Schulplaner herumflattern. In sowas kann man übrigens auch ganz prima Artikelideen festhalten, wie ich gerade beim Durchsehen festgestellt habe :D
Aber die wirklich interessante Frage kommt erst im unteren Abschnitt der Themenbeschreibung: Hier fragt Martin, ob wir es für einen Verlust halten, nicht mehr analog zu schreiben, ob das überhaupt noch wichtig ist, was wir unseren Kindern beibringen – in meinem Fall würden – und wie das digitale Schreiben die Welt verändert.
Das will ich mal von hinten aufrollen: Das digitale Schreiben verändert weniger die Welt als vielmehr Literatur und Journalismus. Und zwar gibt es hier viele, viele Menschen wie mich, die noch vor 20 Jahren kaum eine Chance gehabt hätten, ihre Texte mehr als 20 Menschen zu lesen zu geben. Dadurch, dass das Internet jedem die Möglichkeit gibt, seine Texte auf der eigenen Webseite online zu stellen oder als eBook zu veröffentlichen, sorgt für eine Schwemme an Informationen, die sicher auch am allgemein unter “Information Overflow” bekannten Symptom beteiligt sind. Zwar geht eine ganze Reihe dieser Texte so wie dierser (dieses?) Blog eher in die Kategorie Tagebuch, aber so meine Meinung kundzutun wie ich es beim Webmasterfriday mache, wäre ohne das Internet und das digitale Schreiben wohl kaum möglich, sonst gäbe es jeden Tag Tageszeitungen wie jene New York Times vom Oktober 1965, die es zu einiger Bekanntheit gebracht hat. Und das würde enorme Schwierigkeiten bei der Archivierung in Nationalarchiven und ähnlichen Institutionen mit sich bringen, da bin ich mir relativ sicher ;)
Es ist aber dennoch weiterhin wichtig, analog schreiben zu können. Sicher, Notizen kann man theoretisch auch Siri schreiben lassen, aber das ist nunmal nicht das wahre. Es ist, wie bereits angesprochen, einfach viel schneller, etwas auf Papier zu notieren – zumal es ja möglich ist, analoge Notizen zu digitalen zu machen. Ich halte es somit im Allgemeienen schon für einen Verlust, dass viele – auch ich – mehr digital als analog schreiben, wenngleich die Welt so wenigstens vor meienr Handschrift bewahrt wird. Ich würde meinen Kindern, wenn ich denn welche hätte, also auf jeden Fall noch das “händische” Schreiben beibrigen, zumal so ein digitales Gerät auch mal kaputtgehen kann, sodass man einfach auf das analoge Schreibgerät angewiesen ist.
Und mal ganz abgesehen davon: Was würde mit all den schönen Notizbüchern passieren, wenn sie keiner mehr benutzt? Wäre doch schade drum.